26 Kommentare
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Avatar von Irmi 🏳️‍🌈

Dankeschön für den Text! Gerade heute habe ich mit meiner Tochter wieder einmal über das Thema Schulangst gesprochen - sie kann seit Jahren nicht mehr den regulären Unterricht besuchen, weil sie sich in der Nähe von Schulgebäuden in der Tat des Lebens nicht sicher fühlt. Dabei hat Schulangst eine ganz andere Bedeutung. Wir sprachen aber in dem Zusammenhang über Trauma und ob es eigentlich so definiert ist (sein muss für eine Diagnose), dass es ein auslösendes Ereignis, einen konkreten Moment geben muss. Diesen gibt es für meine Tochter nicht, sondern viele unterschiedliche, von Außen betrachtet eher belanglose Situationen. Ich finde deswegen das Thema der zwei Traumata interessant, das hat u.a. Meine Aufmerksamkeit erregt. Wollte ich bloß einmal anmerken - Dankeschön für den Input 🍀

Avatar von Karenina

sehr interessant. Diese Fragen gehen schon tief rein . Zu der Aussage, die Krankesten sind die normalsten , möchte ich dir meine Perspektive mitteilen. Ein klares Ja. Natürlich kommt es auf den Krankheitsgrad und die Krankheitsgeschichte drauf an, aber ich erlebe es immer wieder in meiner Arbeit. Die Sicht der Dinge , die Verteilung des Wertes ändert sich und davon sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Vor allem die Krebskranken, deren Ende eher in der Nähe ist, als von unsereins, lassen sich durch Manipulation der Gesellschaft nicht ablenken und erkennen oft erst in dieser Zeit die wichtigen Dinge, wie Familie, Fürsorge , Liebe und Achtsamkeit . Danke für diesen tollen Artikel

Avatar von Jakob Bouchal

Vielen Dank für deine Perspektive und die Erfahrungen aus deiner Arbeit!

Avatar von Lisa Kampker

Der Frühling ist bald da... danke für den Text, den ich voll unterschreibe, und danke noch mehr für diesen Trost und Zuspruch: Der Frühling ist bald da. Kommt alle gut bis dahin!

Avatar von Jakob Bouchal

Jaa, diese Woche habe ich ihn schon ganz eindeutig gespürt, den Frühling! Alles Liebe dir!

Avatar von Julian Brüne

Ein starker, zum Nachdenken anregender Text. Danke!

Den Test werde ich die Tage einmal in Ruhe durchführen.

Die Unterscheidung zwischen großen und kleinen T war mir tatsächlich nicht bekannt, aber bringt eine wichtige Dimension rein. Wie du sagst, bei Traum denken wir schnell an die großen, drastischen Erlebnisse – die scheinbar kleinen Dinge werden hingegen schnell abgewertet: "Ist doch nicht so schlimm..."

Aber genau da steckt sehr viel Energie drin, wenn wir diesen Erlebnisse immer wieder ausgesetzt wurden.

Avatar von J. Ruben

Danke für den Text, Jakob.

Er macht etwas sichtbar, das wichtig ist und man spürt die Wut darin, die ich sehr gut nachvollziehen kann.

Bei vielem gehe ich mit, wie dass das „Little-t-Trauma“ real ist und oft unterschätzt wird. Und dass wir als Gesellschaft manches normalisiert haben, was Kindern eigentlich nicht zugemutet werden sollte - emotionale Abwesenheit, Beschämung, fehlende Sicherheit, denn das hinterlässt oft sehr lange Spuren.

Auch der Fragebogen hat für mich funktioniert, weil er zeigt, wie viel von dem, was wir für „einfach so“ halten, in Wahrheit einmal eine Art Überlebensstrategie war. Und ja, über Trauma sollten wir offener sprechen und das am besten ohne Scham.

Was mich nachdenklich macht, ist die Aussage, dass „so gut wie alle Menschen traumatisiert“ seien. Nicht, weil ich glaube, dass kaum jemand betroffen ist, sondern weil ich mich frage, ob der Begriff an Bedeutung verliert, wenn er auf alles angewendet wird.

Manches auf der Liste sind echte Traumafolgen. Anderes hingegen ist vielleicht einfach nur menschlich.

Prokrastination kann ein Schutzmechanismus sein oder einfach ein Zeichen dafür, dass ich gerade keine Lust auf meine Steuererklärung habe.

Komplimente nicht annehmen zu können kann aus früherer Beschämung kommen oder aus einer Kultur, in der Bescheidenheit gelernt wird.

Nicht jede Schwierigkeit ist automatisch ein Symptom. Manchmal ist Leben einfach schwierig.

Was mir fehlt, ist eine klarere Grenze zwischen „Das braucht therapeutische Unterstützung“ und „Das gehört zur menschlichen Vielfalt und eher zur Selbstreflexion als zur Pathologisierung“. Denn wenn alles Trauma ist, bleibt am Ende kein Unterschied mehr und Menschen halten sich schnell für kaputt, obwohl sie vielleicht einfach nur Mensch sind.

Am Ende deutet dein Text eine wichtige Frage an, beantwortet sie aber noch nicht ganz: Was folgt aus der Erkenntnis? Eine Welt, in der Traumata gesehen und behandelt werden, wäre wünschenswert. Doch der Weg dorthin führt vermutlich nicht nur über Wut oder Bewusstsein, sondern über konkrete Veränderungen - in Familien, Schulen, Therapieräumen und in der Art, wie wir miteinander sprechen.

Dein Beitrag ist extrem wichtig, weil er etwas benennt, das lange übersehen wurde. Gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, das eine Extrem („alles ist normal“) durch das andere („alles ist Trauma“) zu ersetzen.

Wahrscheinlich liegt die Realität dazwischen. Manche Menschen sind schwer traumatisiert und brauchen Hilfe. Andere wurden geprägt, aber nicht gebrochen. Und wiederum andere haben einfach ihre Eigenheiten, weil Menschen nun einmal Eigenheiten haben.

Und genau das voneinander zu unterscheiden, wäre meiner Meinung nach der nächste wichtige Schritt.

Avatar von Sarah Weber

Ich glaube auch, dass fast jeder irgendeine Form von Trauma mit sich trägt, ob bewusst oder nicht.

Gerade sensible, empathische, reizoffenere Menschen können an "kleineren" Verletzungen genauso schwer tragen wie an offensichtlich großen. Was dann bei der Kombination aus Hochsensibilität und komplexer/ Typ-1-Traumatisierung herauskommt, will man sich wirklich nicht ausmalen.

Vielen Dank für diesen tollen, gut durchdachten Text.

Avatar von Jakob Bouchal

Danke für die lieben Worte, das freut mich sehr!

Ich sehe das auch so wie du. Somatic Experiencing, eine großartige Therapiemethode, von der ich in den letzten Jahren sehr profitiert habe, definiert Trauma nicht als das Ereignis, sondern als die Reaktion des Körpers darauf. Was traumatisch ist und was nicht, ist somit subjektiv und bei sehr sensiblen Menschen ist die Schwelle damit viel niedriger – wie du auch schreibst. Das deckt sich so auch mit meiner eigenen Erfahrung.

Avatar von Sarah Weber

Da ich gerade Arno Gruen lese ("Der Verlust des Mitgefühls"), passt dein Text für mich perfekt zu dem, was er beschreibt und ich wollte das nochmal teilen, weil es die Mechanismen, von denen du sprichst, nochmal tiefer legt.

Gruen sagt: Wenn Kinder Schmerz erfahren, ihn aber nicht zeigen dürfen, weil die Eltern Missbräuchlich reagieren oder Liebe an Bedingungen knüpfen, dann müssen sie diesen Schmerz unterdrücken (Dissoziieren), um zu überleben. Sie verlieren dadurch aber nicht nur den Kontakt zu sich selbst, sondern auch das Mitgefühl für sich und für andere. Was dann oft entsteht, ist eine Art Narzissmus als Schutzschild: Man liebt sich dafür, wie gut man die erwartete Rolle spielt, das brave oder kooperative Kind. Aber dieser Narzissmus ist nur Ersatz für die echte Selbstliebe, die nie wachsen durfte.

Und jetzt kommt der Punkt, der für mich so gut zu deinem Elefanten passt: Was wir später als "Realitätssinn" bezeichnen – dieses Funktionieren, Sichzusammenreißen, Nicht-so-empfindlich-sein –, das ist für Gruen in Wahrheit nichts anderes als die Anpassung an eine Gesellschaft, die sich über das Wesen der Liebe selbst belügt. Wir halten das für normal, was eigentlich nur die Flucht vor dem eigenen verletzten Selbst ist.

Deshalb werden Menschen, die sich dem verweigern und spüren, dass hier etwas nicht stimmt, oft für psychisch krank gehalten. Dabei sind sie vielleicht die einzigen, die noch gesund genug sind, um die Unwahrheit zu spüren.

Dein Text hat das für mich genau getroffen und deckt sich eben auch mit meinen Erfahrungen und Überlegungen. Danke nochmal dafür!

Avatar von Jakob Bouchal

Danke für diesen schönen Kommentar! "Wir halten das für normal, was eigentlich nur die Flucht vor dem eigenen verletzten Selbst ist." – Das bringt es für mich genau auf den Punkt und würde ich genau so unterschrieben.

Das Buch von Arno Gruen klingt sehr spannend und kommt auf meine Leseliste, danke dir!

Avatar von Ulrike

Danke dir für diesen schönen Text. Mehrere Jahre Arbeit haben geholfen, den Wert deutlich zu drücken. Ich habe bestimmt schon 100x dieses Zitat gehört und es berührt mich immer wieder:

"Pain travels through families

until someone is ready to feel it. (Stephi Wagner)

For many of us,

our generational curse is avoidance.

We come from people

who just act like it didn't happen.

But pain demands to be felt,

and somewhere along the line

a child will be born

whose charge it is to feel it all.

These are the ones

who are born with the gift of feeling.

And as we all know, you can't heal the pain that you refuse to feel." (Die Zuordnung des zweiten Teils ist unklar.)

Avatar von Jakob Bouchal

Vielen lieben Dank dir für die schönen Zitate, beide fühle ich sehr! Ich freue mich zu hören, dass deine innere Arbeit für dich Früchte trägt. Alles Liebe dir!

Avatar von Birgit

Vielen Dank für das Teilen deiner Gedanken, dein Newsletter bereichert und berührt mich jedes Mal unglaublich! Als Mutter kann ich dir sagen - wir alle versuchen unser Bestes, Kinder gut und gesund aufwachsen zu lassen und ihnen keine Traumata mitzugeben, aber wer von ist schon perfekt?

Was für eine tolle Fragen-Liste, danke Jakob - es lohnt auf jeden Fall immer wieder mal hinzuschauen, wo es eventuell Themen aus der eigenen Kindheit geben könnte.

Avatar von Jakob Bouchal

Danke für lieben Worte Birgit, ich freu mich von dir zu hören! Alles Liebe dir!

Avatar von Franka

So wie du habe ich noch nie darüber nachgedacht, und es hat mich sehr erschrocken. Noch erschrockener war ich, als ich fast alles mit „Ja“ beantworten konnte und dabei genauso gedacht habe wie du. Ich dachte, das sei normal. Verrückte Welt. Danke für deinen Beitrag!

Avatar von Jakob Bouchal

Ja, so ging es mir auch. Die Fragen zeigen, was für einen weiten Weg wir noch vor uns haben, kollektiv… Danke für den Kommentar!

Avatar von Ronja

Mir geht es ganz oft genau wie dir und ich habe mir auch viel zu lang und viel zu oft meine eigene Wahrnehmung absprechen lassen, bei der fast immer zeitversetzt rauskam, dass sie stimmte. Danke fürs Teilen, Jakob!

Avatar von Jakob Bouchal

Diese Erfahrung habe ich in meinem Leben auch immer wieder und wieder gemacht. Mit jedem Mal steigt aber auch das Vertrauen in meine eigene Wahrnehmung. Es ist ein Prozess… Danke fürs Teilen deiner Erfahrung, alles Liebe dir!

Avatar von Isabella

Danke, du schreibst mir da gerade gefühlt aus der Seele. An manchen Tagen hilft es zu wissen, dass man nicht allein ist mit so manchen Gedanken, Fragen und Beobachtungen. Liest sich heute sehr tröstlich für mich. ☀️

Avatar von Jakob Bouchal

Das ist schön zu hören! Und bestärkt mich darin, nicht aufzuhören, über dieses Thema zu schreiben. Danke :)

Avatar von Sabine Folsom

Ich konnte jetzt nur überfliegen, da ich etwas wenig Zeit habe. Kehre aber gerne nochmal zurück für ein richtiges Lesen.

Nur eine Frage: Zweifelst du per se die Existenz von ADHS an?

Avatar von Jakob Bouchal

Das kann ich nicht so leicht beantworten. Gibt es viele Menschen, die unter diesen Symptome leiden: Ja, klar. Aber handelt es sich wirklich eine krankheitswerte Störung, die behandelt wird wie z.B. ein Vitamin-D-Mangel? Oder vielleicht doch eher eine logische, nachvollziehbare Reaktion des Organismus auf systemische Umstände? Das sind Fragen, die ich für mich noch nicht abschließend beantworten konnte.

Avatar von Sabine Folsom

Ich selbst bin betroffen und ich kann dir sagen, daß es eine Hirnstoffwechsel Störung ist, die im Wesentlichen genetisch bedingt ist. Klar bin ich auch traumatisiert. Jeder mit ADHS hat AUCH eine kPTBS. Aber das liegt an der angebotenen Dysfunktionalität, die negative Feedbacks tagein tagaus provoziert.

Wir dürfen hier nicht Henne und Ei umdrehen.

Ich mag dich, ich mag deine Artikel, aber diesen Punkt muß ich leider kritisieren. Wann immer jemand sagt oder schreibt, dann wird "einfach" das und das (ADHS) diagnostiziert und "einfach" mit Ritalin gedeckelt (und deckeln ist es eben NICHT), ist das ein Dolchstoß in unsere eh schon angeknackste Seele.

Deswegen sehe ich den Fragebogen auch sehr kritisch. Da sind Fragen dabei, die mit Ja ganz typischerweise von Menschen mit ADHS beantwortet werden. Und welche, die auf Autismus abzielen.

Wenn jemand auffällig oft mit Ja in diesem Test antwortet, muß das Ergebnis nicht lauten: Traumatisiert, sondern: Dann müssen wir mal weitersehen, was dahintersteckt.

Nicht alles ist ADHS. Aber vieles. Und nicht alles ist Trauma.

Avatar von Jakob Bouchal

Danke, dass du deine persönliche Erfahrung und deine Perspektive teilst!

Meine Kritik gilt nicht Menschen, die unter Symptomen leiden, sondern einer Gesellschaft, die Symptome pathologisiert, ohne alle Ursachen zu berücksichtigen. So habe ich das auch formuliert.

Ich möchte dir auf keinen Fall deine Erfahrung absprechen. Du darfst meine Gedanken natürlich kritisch sehen und sie gerne hier auch kritisieren. Davon lebt Austausch. Alles Liebe dir!

Avatar von Roland Niemer

Lieber Jakob, auch diesen Newsletter finde ich feinsinnig und bringt für mich sehr Wesentliches zum Ausdruck. Ich fühle mich inspiriert und berührt durch deine Zeilen. Danke dir. Roland