Der Elefant im Raum
Die Normalsten sind die Kränkesten.
Kennst du das? Du spürst etwas, aber alle um dich herum tun so, als wäre nichts? Deine Sinneskanäle melden dir ganz eindeutig: “Hier stimmt was nicht.” Trotzdem wird einfach weiter vor sich hingelebt und dahingeredet über alles Mögliche – nur nicht über das, was du so klar in dir spürst. Du fängst an, an deiner Wahrnehmung zu zweifeln. Wenn alle so tun, als wäre alles in Ordnung, alles normal – dann muss das wohl so sein. Oder?
Dieses Gefühl beschleicht mich regelmäßig, wenn ich unter Menschen bin. In der U-Bahn, bei Familienfeiern oder in Meetings – aber auch, wenn ich mir Filme ansehe oder mich im Browser Werbung anspringt. Wenn das wirklich normal sein soll, denke ich mir oft, dann muss mit mir etwas nicht stimmen. Oder ist es vielleicht doch umgekehrt?
Die Normalsten sind die Kränkesten
Neulich habe ich darüber nachgedacht, was für mich die wichtigsten Lernerfahrungen der vielen, vielen Therapie- und Selbsterfahrungsstunden der letzten Jahre waren. Und damit meine ich keine Erkenntnisse im Kopf, keine Resultate theoretischer Analysen. Sondern Dinge, die ich in meinem Leben jetzt tatsächlich anders und besser machen kann als früher. Auf dieser Liste steht ganz oben: Ich habe angefangen, meiner eigenen Wahrnehmung zu vertrauen.
Je besser mir das gelingt; je mehr ich mit meinen Gefühlen in Kontakt komme; je mehr ich aufhöre, mir von anderen Menschen meine Wahrnehmung wegerklären zu lassen – desto mehr realisiere ich: Das, was wir als normal und gesund bezeichnen, ist in Wahrheit völlig irre. „Die Normalsten sind die Kränkesten. Und die Kranken sind die Gesündesten.“, brachte es der große Psychoanalytiker und Philosoph Erich Fromm in einem zeitlosen Interview kurz vor seinem Tod auf den Punkt. “Das klingt geistreich oder vielleicht zugespitzt”, setzte er nach, “aber es ist mir ganz ernst damit.”
Auch mir ist es ganz ernst damit: Das, was wir als normal und gesund bezeichnen, ist krankhaft – das spüre ich in jeder Faser meines Körpers. Unsere Welt ist völlig außer Kontrolle, aber wir scheinen uns kollektiv darauf geeinigt zu haben, so zu tun, als wäre alles normal. Wie kann das sein?
The little T
Im Rahmen meiner Beratungsausbildung habe ich letztes Jahr ein Seminar zu Trauma besucht. Am ersten Tag warf die Vortragende, die ich sehr schätze, sinngemäß in den Raum: “Wenn jemand was zu dir sagt und du Stunden später noch beleidigt bist und überlegst, was du hättest entgegnen sollen – dann ist das ein Echo deiner Kindheitstraumata.” Worauf eine Teilnehmerin, sichtlich perplex, antwortete: “Aber dann wäre ja mein halber Freundeskreis traumatisiert!”
Wenn von Trauma die Rede ist, haben viele Menschen dramatische Bilder im Kopf von kaputten Wohnhäusern nach einem Erdbeben, einer Vergewaltigung in einer dunklen Gasse oder der Überfahrt über das Mittelmeer in einem kaputten Schlauchboot. Der Fachbegriff dafür ist Typ-1-Trauma; im englischen Sprachraum wird oft auch von Big T gesprochen, also von Trauma mit einem großen T. Menschen, die so etwas durchgemacht haben, brauchen Hilfe, darüber sind sich alle einig.
Viel weniger Bewusstsein gibt es für Typ-2-Trauma, oder Little T-Trauma: Eltern, die emotional abwesend sind, weil sie so sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind. Kinder, die lernen, dass sie brav und leise sein müssen oder gute Noten schreiben, um Liebe zu bekommen. Oder “stark sein müssen”, damit es Mama oder Papa gut geht. Ein Elternteil, das Erfolge klein- oder schlechtredet und auf “Fehlern” und Misserfolgen herumreitet; Abwertungen und Beschämungen austeilt.
Familien, in denen kein Raum ist, um über Gefühle zu sprechen. In denen keine Sicherheit und kein Vertrauen vermittelt werden kann, weil regulierte und sichere erwachsene Bindungspersonen fehlen. In diesem Fall ist Trauma weniger das, was einem Menschen passiert ist, sondern mehr das, was in der Kindheit über Jahre gefehlt hat. Aber so schlimm ist das doch nicht, keine Familie ist perfekt, das ist doch normal. Oder?
“Wenn ein Verhalten zur Norm wird, verlieren wir unsere Fähigkeit, es als dysfunktional anzusehen.”, schreibt der Anwalt und Psychotherapeut Jeff Garson. Typ-2-Trauma ist in unserer Nachkriegsgesellschaft so weit verbreitet, dass es für uns so unsichtbar ist wie die Luft, die wir atmen. Die Langzeitfolgen davon, dass wir kollektiv so tun als wäre alles normal, haben die Welt geformt und geschaffen, in der wir leben.
Alles ganz normal hier
Ich lehne mich mal aus dem Fenster und behaupte, so gut wie alle Menschen, die du und ich kennen, sind auf irgendeine Art und Weise traumatisiert. Und noch eine steile These: Die überwältigende Mehrheit unserer Probleme liegt darin begründet. Wir als Gesellschaft aber tun kollektiv so, als wäre das normal. Als wäre das, was uns fehlt, das neue iPhone oder ein langes Wochenende in Portugal.
Wir sprechen von Social Anxiety, wenn eine Person in ihrer Kindheit gelernt hat, dass andere Menschen eine Quelle von Unbehagen und Stress oder sogar Gefahr sind, und deswegen noch im Erwachsenenalter lieber alleine ist. Wenn jemand zehn Mal überprüft, ob das Licht auch wirklich aus ist, stellen wir eine Zwangsstörung fest – ohne zu fragen, ob dieser Mensch in seiner Kindheit vielleicht einem Tyrannen ausgesetzt war, der die Nichteinhaltung eines ungeschriebenen Regelwerks mit beschämenden Tiraden, strafendem Schweigen oder vielleicht sogar Schlägen sanktioniert hat.
Wenn Kinder in der Schule nicht stundenlang ruhig sitzen können, weil in ihren Körpern die Unruhe der unbearbeiteten und ungelösten Themen ihrer Eltern und Familien tobt, diagnostizieren wir sie mit ADHS und verschreiben ihnen Amphetamin. Ein ähnlicher Wirkstoff übrigens zu jenem, der im zweiten Weltkrieg Soldaten vor Kampfeinsätzen verabreicht wurde. Völlig normal. Wir erfinden ständig neue Diagnosen und Buzzwords, die unsere Symptome beschreiben, um uns dann sagen zu können: Endlich weiß ich, was mit mir nicht stimmt. Oder, noch perfider, mit meinem Kind.
Wir reden endlich mehr über psychische Gesundheit, tun aber so, als wären Depressionen und Angststörungen Krankheiten, mit denen man sich im Bus ansteckt. Wir sprechen über Suchtkranke, als hätten diese Menschen eine Lungenentzündung, gegen die man nur das richtige Antibiotikum finden muss.
Wir tun so, als wäre es völlig normal, dass wir als erwachsene Menschen so anfällig sind für Werbung, dass wir uns eine fucking Feuchtigkeitscreme oder eine Wohnzimmerlampe bestellen und ernsthaft glauben, das endlich würde unser Leben besser machen. Dann endlich ist alles gut, dann sind wir gut genug, können uns endlich ausrasten.
Als wäre es völlig normal, dass wir Jahre unseres Lebens damit verbringen, auf Ablenkungsmaschinen herumzuwischen, für deren Herstellung Kinder in Bergwerken ums Leben kommen. Dass wir uns ständig Dinge kaufen, die wir nicht brauchen, nur um uns halbwegs okay zu fühlen – im Wissen, dass wir damit unseren Planeten zerstören. Dass wir uns deswegen vielleicht kurz schlecht fühlen, es aber wieder und wieder und wieder tun und einfach nicht kapieren wollen, dass diese braunen Pakete unseren kaputten Selbstwert nicht reparieren können.
Als wäre es völlig normal, wie viele Menschen jahrelang in Beziehungen bleiben, die für sie eine Quelle von ständigem Stress sind, weil sie schon als Kinder lernen mussten, sich die eigenen Eltern und eine dysfunktionale Familie schönzureden. Wie Menschen in ihren Jobs jahrelang die Machtspiele toxischer Führungspersonen mitspielen – vielleicht weil sie es sich nicht aussuchen können, vielleicht aber auch, weil sie als Kinder gelernt haben, Missbrauch einfach auszuhalten.
Wenn das so klingt, als wäre ich wütend, dann liegt das daran, dass ich es bin. Es gibt Tage, an denen es mir besser gelingt, zu sehen, dass wir alle, individuell und kollektiv, eben dort stehen, wo wir stehen, und dass wir alle Produkte unserer Umstände sind. Und es gibt Tage, da kotzt es mich an, dass wir als Gesellschaft, als Spezies, scheinbar wirklich alles lieber tun würden als Verantwortung zu übernehmen für unser Verhalten und dafür, wie es uns geht. So ein Tag ist heute.
Nach fast 35 Sonnenumrundungen auf diesem Planeten traue ich mir mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit zu sagen: Der Elefant im Raum wird nicht von selbst weggehen, egal wir sehr wir uns wünschen, er wäre nicht da; egal wie sehr wir so tun, als wäre alles normal. Das ist kindliches Wunschdenken. Es ist Zeit, erwachsen zu werden.
Wie traumatisiert bist du, von 1 bis 30?
Schon vor einiger Zeit bin ich auf den Childhood PTSD Questionnaire des US-amerikanischen Psychotherapeuten Patrick Teahan gestoßen. Dieser Fragebogen dient zur Selbsterhebung von Symptomen einer posttraumatische Belastungsstörung, die auf Erfahrungen in der Kindheit zurückzuführen sind. Ich habe mir erlaubt, ihn für diesen Beitrag frei zu übersetzen.
Wenn dich das interessiert, nimm dir einen Zettel zur Hand oder erstelle eine Notiz am Handy. Beantworte die folgenden Fragen mit Ja, Vielleicht oder Nein und zähle mit, wie viele Fragen du mit Ja und wie viele du mit Vielleicht beantwortest.
Der Ersteller empfiehlt, jede Frage mit Blick auf dein gesamtes bisheriges Leben zu beantworten. Das heißt, auch wenn ein Thema für dich heute vielleicht schon gelöst oder abgeschlossen ist, das früher aber anders war, antworte trotzdem mit Ja. Das hilft dir, deine Geschichte besser zu verstehen.
Ich hatte schon immer das Gefühl, dass mit mir etwas nicht stimmt.
Beziehungen und Nähe sind für mich oft schwierig.
Ich isoliere mich manchmal.
Ich versuche Dinge eher “hinter mich zu bringen”, statt sie zu erleben oder zu genießen (Urlaube, Feiertage, Projekte, Einkaufen, Treffen).
Ich kämpfe mit Depressionen und/oder Angst.
Es fällt mir oft schwer, Freude und/oder Spontaneität zu empfinden.
Ich schalte ab, dissoziiere, betäube mich emotional und/oder fühle mich leer.
Dysfunktionale Menschen fühlen sich von mir angezogen.
Recht zu haben oder Unrecht zu haben bedeutet mir zu viel.
Ich habe Schwierigkeiten mit Ungewissheit – offene Enden, Unklarheit, wenn Menschen sich nicht melden.
Ich gerate manchmal in bestimmte „Modi“ (wie z.B. in einen Überlebensmodus, Arbeitsmodus, Rettermodus, Krisenmodus, etc).
Wenn es gerade gut läuft, traue ich dem Frieden nicht.
Ich bin manchmal zu optimistisch und übersehe Warnzeichen.
Ich kann mich schwer mäßigen und kann süchtig werden (z.B. nach Alkohol, Zigaretten, Handy, Instagram, Essen, Drogen, Sex, Koffein, etc).
Ich habe Probleme mit Essen, Schlaf oder Energie (im Sinne von Erschöpfung oder übermäßiger Aktivität).
Ich habe das Gefühl, den Kontakt zu meinen Bedürfnissen/Wünschen verloren zu haben.
Mein sexuelles Verlangen ist zu niedrig oder zu hoch.
In meiner Kindheit wurde ich von meinen Eltern beschämt oder gedemütigt.
Smalltalk macht mich oft desinteressiert, gereizt oder unwohl.
Ich habe Schwierigkeiten, Wut zu spüren, oder habe zu viel davon (wenn es darum geht, für mich oder andere einzustehen).
Ich bin übermäßig auf Gerechtigkeit fixiert.
Meine Eltern waren wütend, launisch, dominant, depressiv, emotional nicht verfügbar oder neurotisch.
In meiner Kindheit gab es Manipulation und/oder Ungerechtigkeit.
Ich erlebte körperliche Bestrafung.
Die Bedürfnisse der Erwachsenen standen über meinen eigenen.
Ich bin verletzt, wenn andere nicht merken, wie es mir geht.
In Konflikten bin ich dominant oder ziehe mich komplett zurück.
Ich führe Streitgespräche in meinem Kopf.
Mir wurde gesagt, ich sei intensiv (zu ernst) oder distanziert (kühl).
Ich gehe davon aus, dass andere wütend auf mich sind oder mich enttäuschen.
Nach intensiven Gesprächen kommen meine Gefühle/Gedanken oft erst Stunden später („Das hätte ich sagen sollen!“).
Die Stimmung anderer beeinflusst mich stark.
Komplimente sind mir unangenehm – ich spiele sie herunter.
Zurückweisung wirft mich voll aus der Bahn.
Ich verstecke oft meine wahren Gefühle.
Ich bewerte mich stark danach, wie andere auf mich reagieren.
Wenn jemand fürsorglich ist, misstraue ich dem und fühle mich unwohl.
Meine Emotionen stehen mir oft im Weg, so zu leben, wie ich möchte.
Ich fühle mich oft ausgenutzt.
Ich vertraue meinen eigenen Gefühlen oder denen anderer nicht.
Kritik trifft mich stark.
Ich fühle mich zu emotional nicht verfügbaren Menschen hingezogen.
Ich fühle mich anderen manchmal überlegen oder unterlegen.
Während meiner Kindheit waren einer oder beide meiner Elternteile sehr unzufrieden und negativ gegenüber dem anderen oder ihren Partnern, falls sie geschieden waren.
Ich kann nicht aufhören, negativ zu sein, selbst wenn ich versuche, es nicht zu sein.
Ich fühle mich nur wertvoll, wenn ich ein guter Partner, eine gute Partnerin bin.
In meiner Familie wurde über Dinge nicht gesprochen (Gefühle, Situationen, der “Elefant im Raum”)
Ich fühle mich mit einem Geschlecht wohler als mit dem anderen.
Ich fühle mich unzulänglich in Bezug auf mein Geschlecht.
Ich mag es nicht, berührt zu werden.
Ich beende Beziehungen erst, wenn es sehr schlimm wird.
Weil ein Elternteil so schwierig war, erschien mir der andere sicherer.
Ich versuche ständig, mein Leben „in Ordnung zu bringen“ und fühle mich nicht gut genug.
Ich bin perfektionistisch.
Ich prokrastiniere und/oder habe Schwierigkeiten, Dinge zu beenden.
Als ich aufwuchs, dachte ich darüber nach, einen oder beide meiner Eltern zu töten.
Einer oder beide meiner Eltern haben mir während meiner Kindheit übermäßig viel von ihren Problemen erzählt.
Wütende Menschen oder Autoritätspersonen machen mir Angst.
Ich denke mehr über Gefühle nach, als sie wirklich zu fühlen.
Für meine Bedürfnisse einzustehen oder Nein zu sagen ist schwer für mich.
(Frei nach Patrick Teahan)
Zähle jetzt alle Ja-Antworten und alle Vielleicht-Antworten zusammen und bilde daraus den Durchschnitt, also: z.B. 20x Ja und 12x Vielleicht = (20 + 12) / 2 = 16. Gemäß dem Beipackzettel des Erstellers dieses Fragenbogens deutet ein Wert über 10 darauf hin, dass es Themen in deiner Kindheit gibt, die zu betrachten sich lohnen könnte. “Hohe Werte sind sehr häufig”, schreibt er auch.
Mein Wert liegt sehr weit über 10. Viel spannender als diese Zahl ist für mich aber, wie oft ich mir beim Durchgehen der Fragen dachte: “Das ist doch normal, oder?” Komplimente nicht annehmen zu können, lange Streitgespräche im Kopf zu führen, Recht haben zu wollen; perfektionistisch zu sein oder mit Kritik nicht gut umgehen können.
Darin liegt für mich der eigentliche Wert dieses Tools: Uns vor Augen zu führen, was alles nicht normal ist – sondern Auswirkung traumatischer Erfahrungen in der Kindheit, die unseren Selbstwert nachhaltig beschädigt haben. Was uns alles normal erscheint, weil es so weit verbreitet ist, dass wir es uns fast nicht anders vorstellen können.
Gleichzeitig lässt dieser Fragebogen, im Umkehrschluss, in mir auch eine leise Ahnung aufsteigen, wie eine Welt aussehen könnte, in der Traumata mit der gleichen Selbstverständlichkeit und als Kassenleistung erkannt und therapiert werden wie ein gebrochener Arm. Eine Welt, in der wir unsere eigenen Verletzungen ernst nehmen und uns freundlich und geduldig um uns selbst und andere kümmern, statt uns gegenseitig vorzuspielen, dass alles normal ist. Eine Welt, in der es umgekehrt normal ist, sich zu spüren und angenehme und unangenehme Gefühle gleichermaßen zu fühlen. Eine Welt, in der man nicht funktionieren muss, um ernst genommen zu werden. Eine langsamere Welt, eine ehrlichere Welt, eine freundlichere Welt.
Wie geht es dir? Hast du den Test gemacht, war das Ergebnis für dich überraschend? Was denkst du, wie könnte eine Welt aussehen, in der alle über Trauma Bescheid wissen und nicht vor ihrem Schmerz davonlaufen? Freust du dich auch so sehr, dass die Tage wieder länger werden? Wenn du möchtest, kannst du unten einen Kommentar schreiben oder auf diese E-Mail antworten, nur an mich – so oder so freue ich mich, von dir zu lesen! Du kannst dieses E-Mail auch gerne an andere Menschen weiterleiten.
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Ein wirklich großartiges Buch zu dieser Thematik ist “The Myth of Normal: Trauma, Illness, and Healing in a Toxic Culture” von Gabor Maté. Es hat mir nachhaltig die Augen geöffnet und ich habe es schon oft empfohlen und verschenkt.
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Ich hoffe, du kommst gut durch diesen langen, grauen Winter. “Ich finde, der Jänner war ein extrem schwieriges Jahr”, hat mir eine liebe Freundin neulich geschrieben. Das fühle ich. Schau gut auf dich! Der Frühling ist bald da.
Alles Liebe
Jakob
Danke fürs Lesen! Mein Name ist Jakob Bouchal, ich arbeite als systemischer Coach und psychosozialer Berater in Wien. Deinen Platz in dieser Welt zu finden und voll im Kontakt zu sein mit dem Leben – dabei begleite ich dich gerne!
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sehr interessant. Diese Fragen gehen schon tief rein . Zu der Aussage, die Krankesten sind die normalsten , möchte ich dir meine Perspektive mitteilen. Ein klares Ja. Natürlich kommt es auf den Krankheitsgrad und die Krankheitsgeschichte drauf an, aber ich erlebe es immer wieder in meiner Arbeit. Die Sicht der Dinge , die Verteilung des Wertes ändert sich und davon sollten wir uns ein Beispiel nehmen. Vor allem die Krebskranken, deren Ende eher in der Nähe ist, als von unsereins, lassen sich durch Manipulation der Gesellschaft nicht ablenken und erkennen oft erst in dieser Zeit die wichtigen Dinge, wie Familie, Fürsorge , Liebe und Achtsamkeit . Danke für diesen tollen Artikel
Danke dir für diesen schönen Text. Mehrere Jahre Arbeit haben geholfen, den Wert deutlich zu drücken. Ich habe bestimmt schon 100x dieses Zitat gehört und es berührt mich immer wieder:
"Pain travels through families
until someone is ready to feel it. (Stephi Wagner)
For many of us,
our generational curse is avoidance.
We come from people
who just act like it didn't happen.
But pain demands to be felt,
and somewhere along the line
a child will be born
whose charge it is to feel it all.
These are the ones
who are born with the gift of feeling.
And as we all know, you can't heal the pain that you refuse to feel." (Die Zuordnung des zweiten Teils ist unklar.)